Fibromyalgie

‘Mysteriöser’ Weichteilrheumatismus, der es Patienten unmöglich macht, in den Tiefschlaf zu fallen

Fibromyalgie ist eine Form von Rheuma, die nicht die Gelenke, sondern die Muskeln und das Bindegewebe befällt. Die griechische Bezeichnung für diese Erkrankung ist aus den Wörtern ‘fibro’ (Bindegewebe), ‘myo’ (Muskel) und ‘algie’ (Schmerzen) zusammengesetzt. Diese Erkrankung fällt unter den Sammelbegriff ‘Weichteilrheumatismus’ oder ‘Muskelrheumatismus’. Fibromyalgie kommt bei 2% der Erwachsenen zwischen 20 und 60 Jahren vor. Frauen haben ein zehn Mal so großes Risiko wie Männer, von Fibromyalgie betroffen zu werden.

Was ist Fibromyalgie?

Diese Erkrankung geht mit chronischen Schmerzen und einer über den ganzen Körper verteilten Steifheit einher. Die empfindlichsten Stellen sind Nacken, Hüften, Schultern und Hände. Die Schmerzen strahlen in die Muskeln im ganzen Körper aus. Daneben treten Beschwerden wie Verdauungsprobleme, Hautprobleme, Ekzeme, trockene Augen und ein trockener Mund auf. Auch tritt bei Fibromyalgie oft ein prickelndes oder brennendes Gefühl in den Gliedmaßen auf. Die Beschwerden sind morgens meistens am heftigsten. Bei vielen Patienten wird auch eine Abweichung im Schlafmuster konstatiert. Durch Mangel an guter Nachtruhe tritt Übermüdung auf. Das kann zu chronischem Energiemangel und Erschöpfung führen.

Was ist die Ursache von Fibromyalgie?

fibromyalgie untersuchungDie genaue Ursache von Fibromyalgie wurde bisher noch nicht von der medizinischen Forschung entdeckt. Die Patienten sehen meistens gesund aus, haben einen normalen Blutspiegel und bei einer Untersuchung können keine Abweichungen in den Muskeln oder dem Bindegewebe festgestellt werden. Und ohne sichtbare Ursache kann keine Diagnose gestellt werden. Darum ist es für Ärzte sehr schwierig festzustellen, ob ein Patient an dieser Krankheit leidet. Fibromyalgie gilt erst seit 1976 als eigenständige Erkrankung. Das ermöglichte es den Ärzten, ein Protokoll von der Diagnose zu erstellen. Inzwischen wird schon seit 40 Jahren nach den Ursachen von Fibromyalgie geforscht. Die Krankheit ist jedoch so komplex, dass Wissenschaftler nicht genau wissen, wonach sie suchen sollen. Die Forschungsprogramme sind dementsprechend breit angelegt. Dabei konzentriert man sich vor allem auf die Unterschiede zwischen Patienten, die an Fibromyalgie leiden, und gesunden Menschen.

Was ist inzwischen über Fibromyalgie bekannt?

Natürlich haben 40 Jahre Erforschung dieser Erkrankung schon einige Resultate gebracht. Der wichtigste Unterschied zu gesunden Menschen ist, dass Patienten mit Fibromyalgie nicht dazu in der Lage sind, in den Tiefschlaf zu fallen. Die Deltawellen, die für dieses Schlafstadium sorgen, werden von den Alphawellen gestört. Und diese Wellen sorgen für einen Wachzustand. Durch chronischen Schlafmangel werden nicht ausreichend Wachstumshormone zur Regeneration und Pflege von Muskel- und Bindegewebe gebildet. Das könnte die Ursache der Schmerzen und Steifheit sein. Der chronische Schlafmangel entsteht Forschern zufolge durch Abweichungen von Neurotransmittern wie Endorphin, Serotonin und Dopamin. Das sind Stoffe, die im Gehirn produziert werden und dem Körper mitteilen, was er machen soll. Bei Patienten mit Fibromyalgie kann eine abnormale Produktion dieser Neurotransmitter festgestellt werden. Das führt nicht nur zu einem abweichenden Schlafmuster, sondern ändert auch die Art, in der der Körper mit Schmerzen umgeht.
 Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht auch hervor, dass die Ursache von Fibromyalgie auf eine Dysfunktion des Nervensystems zurückzuführen ist. Vermutlich spielt das Immunsystem also keine Rolle bei dieser Erkrankung. Aber es ist noch viel Forschung nötig, um auf Basis dieser Anknüpfungspunkte die genaue Ursache von Fibromyalgie feststellen zu können.

Diagnose von Fibromyalgie

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Die Diagnose von Fibromyalgie ist für Ärzte ein komplexer Prozess. Einerseits gleichen die Symptome denen anderer häufig vorkommender Erkrankungen. Außerdem lässt sich das Vorliegen dieser Erkrankung nicht anhand von Röntgenaufnahmen oder Blutuntersuchungen nachweisen. Der Arzt wird die Diagnose also stellen müssen, indem er andere Erkrankungen ausschließt. Er wird in erster Linie versuchen, Fibromyalgie mit Schmerzmitteln zu behandeln. Wenn die Beschwerden trotzdem weiter zunehmen, wird er den Patienten an einen Rheumatologen überweisen. Dieser stellt die Diagnose anhand eines Protokolls des American College of Reumatology (ACR) aus dem Jahr 1990:

  • Die chronischen Schmerzen und/oder Steifheit treten seit mindestens drei Monaten an drei oder mehr verschiedenen Stellen am Körper auf. Sowohl über als unter der Taille und sowohl auf der linken als auch der rechten Körperseite
  • An mindestens 11 von 18 vereinbarten Stellen müssen Schmerzpunkte (Tenderpoints) vorhanden sein.

Neue Diagnosekriterien seit 2010

Da diese Art der Diagnostik einer gewissen Subjektivität unterliegt (und dadurch viele Leute – auch in medizinischen Kreisen – die Neigung haben, Fibromyalgie nicht ernst zu nehmen) wurden im Jahr 2010 neue Kriterien zur Diagnose von Fibromyalgie festgelegt. Dafür wird jetzt das so genannte ‘Polysymptomatic Distress Scale‘ (PSD) verwendet. Diese besteht aus einer Summe von WPI (Widespread Pain Index) und SSS (Symptom Severity Scale Score) Bei Fibromyalgie ist der PSD mindestens 12, der WPI mindestens 3 und der SSS mindestens 5. Die Tenderpoints spielen heute für die Diagnose keine Rolle mehr.

Die Schmerzbewertung (WPI) bei Fibromyalgie

Es wird festgestellt, in welchen der 19 Körperbereiche in den letzten Wochen Schmerzen auftraten (für jeden schmerzenden Bereich wird ein Punkt vergeben). Ein Patient mit Schmerzen in vier Körperbereichen hat also einen WPI von vier. Bewertet werden die folgenden 19 Bereiche: Brust, Bauch, oberer Rücken, unterer Rücken, Hals, linker Schultergürtel, rechter Schultergürtel, Oberarm, Unterarm, Hüftbereich (Gesäß, Trochanter major), Oberschenkel, Unterschenkel und Kiefern. Der niedrigste mögliche WPI ist 0 und der Höchstwert ist 19. (Hinweis der Redaktion: Uns fiel auf, dass nicht 19 sondern 13 Bereiche genannt werden. Wir lassen das jedoch so stehen, weil es in all unseren Quellen so angegeben ist.)

Die Symptombewertung (SSS) bei Fibromyalgie

Auch die drei unten aufgeführten Symptome werden bewertet. Es wird bewertet, ob und wenn Ja wie oft die Symptome in der letzten Woche aufgetreten sind:

  • Müdigkeit
  • Unausgeschlafen aufwachen
  • Denk- und Konzentrationsschwierigkeiten

Jedes dieser drei Symptome wird folgendermaßen bewertet:
0 = tritt nicht auf
1 = leichte oder milde Symptome, gewöhnlich oder periodisch milde Symptome
2 = mäßige bis starke Symptome: häufig auftretend und/oder ernsthaft
3 = schwer: einschneidend, ständig das Leben störend

Auch wird untersucht, wie viele weitere Symptome der Patient hat. Dabei wird mit einer Liste von 42 größtenteils körperlichen Symptomen gearbeitet. Die Höhe der Bewertung hängt von der Anzahl von Symptome ab.
0 = keines dieser Symptome
1 = einige dieser Symptome
2 = mehrere dieser Symptome
3 = zahlreiche dieser Symptome

Die körperlichen Symptome, die berücksichtigt werden: Muskelschmerzen, spastische Darmbeschwerden, Müdigkeit, Denk- und Gedächtnisprobleme, Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, taubes Gefühl/Prickeln, Schwindelgefühle, Schlaflosigkeit, Depression, Verstopfung, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Nervosität, Schmerzen in der Brust, Sehbeschwerden, Fieber, Diarrhoe, trockener Mund, Jucken, Pfeifgeräusche beim Atmen, Raynaud-Syndrom, Nesselsucht, Ohrsausen, Erbrechen, Sodbrennen, Geschwüre im Mund, Geschmacksverlust/Geschmacksänderung, epileptische Anfälle, trockene Augen, Engbrüstigkeit, verminderter Appetit, Hautausschlag, Sonnenlichtallergie, Hörbeschwerden, leichte Bildung von blauen Flecken, Haarausfall, häufiges Urinieren, Schmerzen beim Urinieren und Blasenkrämpfe.

Die Symptombewertung (SSS) ist die Summe der Ernsthaftigkeit dieser drei Symptome (Müdigkeit, unausgeschlafen aufwachen sowie Denk- und Konzentrationsschwierigkeiten) plus einige andere zusätzliche Symptome. Der SSS hat also einen Bereich von 0 bis 12 Punkten.

Die Fibromyalgiebewertung (PSD)

Das PSD entsteht durch Addition von WPI und SSS. Das PSD kann von 0 (keine Fibromyalgie-Symptome) bis 21 (starke Fibromyalgie-Symptome) variieren.

Behandlung von Fibromyalgie

Wie bereits bemerkt, ist bis jetzt wenig über die Ursachen von Fibromyalgie bekannt. Das bedeutet, dass bis heute leider noch keine Behandlungsmethode für diese Krankheit entwickelt wurde. Darum konzentrieren sich die Ärzte ausschließlich auf die Milderung der wichtigsten Symptome: Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und Steifheit. So wird der Arzt Paracetamol oder ein anderes Schmerzmittel verschreiben, wie Amitriptylin, Duloxetin, Pregabalin oder Gabapentin. Eine natürliche Alternative, die sich in einigen Fällen als wirksam erwies, ist die flüssige Kombination von Grünlippmuschel und Curcumin. Auch wenn Fibromyalgie nicht unbedingt mit Entzündungen einhergeht, erfahren dennoch einige Patienten, die unter dieser Erkrankung leiden, eine positive Wirkung dieser natürlichen Entzündungshemmer. Wenn so ein natürliches Mittel innerhalb von 80 Tagen nicht wirkt, sollte man die Einnahme besser absetzen. Sollte es jedoch eine positive Wirkung haben, kann man die Einnahme dieser flüssigen Kombination von Grünlippmuschel und Curcumin, die rezeptfrei in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich ist, problemlos fortsetzen.
 Ein Physiotherapeut kann Ihnen Übungen zeigen, mit denen Sie Ihre Kondition und Ausdauer verbessern. Auch können Sie unter sachkundiger Begleitung Schwimmen, Radfahren oder Wandern, um Ihre Muskeln stark und geschmeidig zu halten. Ein Ernährungsberater kann Ihnen helfen, Ihre Ernährungsgewohnheiten zu verbessern, sodass Sie mehr Energie haben, um die Müdigkeit zu vertreiben.

So verbessern Sie bei Fibromyalgie Ihren Schlaf

Eine bessere Nachtruhe ist wichtig, um die Symptome von Fibromyalgie zu verringern. Sie können zum Beispiel erwägen, ein Schlafmittel einzunehmen. Wählen Sie jedoch eine natürliche Formel, denn Arzneimittel haben oft unangenehme Nebenwirkungen. Einige Kräuter, die eine gesunde Nachtruhe fördern, sind Baldrian, Passionsblume, Hopfen, Kamille und Lavendel. Auch das Mineral Magnesium und Melatonin machen schläfrig. Einige Tipps zum Schlafen:

    • Machen Sie tagsüber einen höchstens 20 Minuten langen ‘Powernap’. Das gibt Ihnen extra Energie. Achten Sie darauf, dass Sie nicht länger als 20 Minuten schlafen, denn sonst können Sie nachts schwieriger einschlafen. Manche Leute fühlen sich besonders fit, wenn sie kurz vor diesem ‘Powernap’ eine Tasse Kaffee trinken.
    • Sorgen Sie für Regelmäßigkeit. Gehen Sie zu festen Zeiten schlafen und stehen Sie zu festen Zeiten wieder auf.
    • Sorgen Sie für genügend Körperbewegung. Sie schlafen weniger gut, wenn Sie den ganzen Tag und Abend still sitzen.
    • Trinken Sie abends vor dem Schlafengehen keine stimulierenden Getränke wie Kaffee, Tee, Cola oder Alkohol.
    • Entspannen Sie sich vor dem Schlafengehen. Lesen Sie ein Buch, sehen Sie sich einen romantischen Film an oder machen Sie Entspannungsübungen.

Bildschirm im BettVersuchen Sie, in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr vor einem Bildschirm zu sitzen (Fernseher, Computer, Telefon, Tablet). Das Licht des Bildschirms hat bei manchen Leuten Einfluss auf den Tag-/Nachtrhythmus und kurz vorm Schlafengehen kann das das Einschlafen erschweren.

  • Konzentrieren Sie sich im Bett auf Ihre Atmung. Dadurch werden Ihre Gedanken ruhiger und Sie schlafen leichter ein.

Tipp: Sehen Sie sich dieses Video (in Englischer Sprache) an. In diesem Video erklärt ein Arzt, warum eine gute Nachtruhe bei Fibromyalgie besonders wichtig ist.

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